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Soziale Medien sind ein Segen, den zu vielen für euch halten wir so Kontakt und ihr könnt einen Anteil heben an unserem „normalen“ Leben hier in Kenia.

In Kenia ist Socialmedia ein großes Thema, vieles läuft über Facebook und Twitter, nicht zu letzt da es im Gegensatz zu einer eigenen Webseite nichts kostet.  Es gibt etliche Gruppen und Twitter Konten die im täglichen Leben unerlässlich sind. Anstatt ebay Kleinanzeigen gibt es Facebook gruppen zum inserieren, anstatt Verkehrsmeldungen im Radio gibt es Twitter Konten mit Meldungen wo es staut und in einer Stadt mit viel Kriminalität ist es gut ein Auge auf die Twitter Konten der Nachrichtenagenturen zu haben.

    

Doch auch hier ist es wichtig im Hinterkopf zu haben, dass nicht alle Meldungen und Tweets die Wahrheit sind. Auch hier gibt es alternative Fakten!

Die letzten Tage haben wir damit einige Erfahrungen gemacht. Unser italienischer Nachbar wurde Opfer einer solchen Social Media Kampagne. Letzte Woche tauchte bei Facebook und Twitter ein Post auf in dem er beschuldigt wurde einen anderen Verkehrsteilnehmer mit einer Waffe bedroht zu haben. An der Geschichte stimmt nichts außer, dass einer sich durch ihn im Verkehr belästigt fühlte und an der Einfahrt zu einem Einkaufszentrum auf Roberto losging. Die Diskussion war intensiv, vor allem da der Kenianer sehr aggressiv wurde. Roberto hat versucht der Situation zu entkommen und so wie wir ihn kenne ist er sicher nicht handgreiflich geworden.

In dem Post der danach in den sozialen Medien viral ging wurde er bezichtigt das ganze gestartet zu haben und sogar mit einer Waffe gedroht zu haben! Von dem stimmt so gut wie nichts, es macht auch von der zeitlichen Abfolge keinen Sinn, aber der Post wurde fast 400 mal geteilt und hunderte Kommentare wurden gemacht, viele davon sehr rassistisch und ein Deportation fordernd.

Die Geschichte wurde wieder und wieder geteilt und neu online gestellt, so das man davon ausgehen kann das viele zehntausend Menschen hier das ganze wahrgenommen haben! Immer wieder wurde durch verschiedene # auch Arbeitgeber und Kollegen mit involviert.

 

Verständlicherweise war und ist es für Roberto eine sehr negative Erfahrung die mittlerweile mehrere Anwälte, Polizisten, UN Büros und Gerichte beschäftigt. Durchsuchungen wurden gemacht um zu verifizieren das er wirklich keine Waffe besitzt, Roberto musste etliche Stunden mit Polizei und Sicherheitsdiensten sprechen und die Anschuldigungen widerlegen. Dabei gibt es Videoaufnahmen des Einkaufszentrums die den ganzen Vorfall aufgezeichnet haben und klar zeigen wer wen angegriffen hat und dass es keine Waffe gab in dem ganzen Fall!

 

Zum einen erschreckt es wie schnell jemand nahezu Landesweit in Verruf gebracht wird und wie schnell ein einfacher Post zu hundertfachen rassistischen Ausuferungen führt obwohl an der eigentlichen Geschichte nichts stimmt.

Zumindest konnte ich Roberto etwas helfen und ihn etwas moralische Unterstützung geben.

 

 

Kenia ist ein Land welches entlang der Linie der verschiedenen Stämme tief gespalten ist. Eine der ersten Fragen untereinander ist meist irgendwie verbunden mit der Stammeszugehörigkeit. Kamba, Kikuyu oder Massai - man ist eigentlich nur mit seinesgleichen zusammen. 
Als wir die Arbeiter hier hatten, die die Mauer gebaut haben, waren es alles Kamba... Unsere Hausangestellte hatte lange große Vorbehalte gegen unseren Gärtner, er ist halt von einem anderen Stamm.
Politik ist klar an dieser Linie getrennt, das merkt man spätestens wenn wieder gewählt wird, gerade beginnt der Wahlkampf wieder für das kommende Jahr. 

Umso mehr Bemühungen gibt es dann doch anders Einheit des Landes zu arbeiten. Das Nationalbewusstsein ist vorhanden und da nächsten August wieder gewählt wird gibt es viele Bemühungen auf die Einheit des Landes über Stämme hinaus zu betonen.

Eine Aktion die seit letzter Woche läuft ist eines der vielen Beispiele dafür und ein Beispiel welche unglaubliche Kraft Socialmedia hier haben.
Der größte lokale Mobilfunkanbieter hat eine Challenge ausgerufen in dem Unternehmen und einzelne sich gegenseitig dazu aufrufen die kenianische Nationalhymne zu singen.

Das Ergebnis kann sich hören und sehen lassen:

 

 

  

 

 

 

 

Die meisten haben sicher in den Medien und Sozialen Netzwerken gelesen, dass vor kurzem in Nairobi ein Anwalt der für International Justice Mission (IJM) arbeitete verschwunden ist und seine Leiche zusammen mit der seines Klienten und des Taxifahrers mit dem sie unterwegs waren in einem Fluss gefunden hat. 

Zu den Einzelheiten gibt es einiges in den Medien. Zum Beispiel hier:

http://www.dw.com/de/proteste-nach-mord-an-menschenrechtsanwalt-in-kenia/a-19376478

http://blog.ijm-deutschland.de/justiceinkenya/           (Dietmar Roller war Missionar der AM in Geita/Tansania)

Dieser Fall ist groß in den Medien weil dahinter eine große internationale Organisation steht die viel Einfluss nehmen kann und die Mittel hat den Fall öffentlich zu machen. Dies sicherlich gut, da es leider in Kenia zu Tagesordnung gehört, dass Menschen verschwinden und oft genug stecken Polizei oder andere staatliche Stellen dahinter.

Fast täglich liest man in den Zeitungen und bei Twitter von Erschießungen durch die Polizei oder das Menschen im Polizeigewahrsam spurlos verschwinden.

Jeder der von der Polizei verdächtigt wird, steht in der Gefahr nicht zu überleben. oft werden sie bei der Verhaftung erschossen, weil sie angeblichen Widerstand leisteten. Krasses Beispiel ist der Fall einer Jugendbande von 8 Jugendlichen die im März erschossen wurde. Schnell waren Bilder im Umlauf wo alle ordentlich aufgereiht an der Straße lagen, das Gesicht nach unten und die Hände auf dem Rücken. Man fand, dass alle mit 2-3 Schüssen von hinten aus der Nähe regelrecht hingerichtet wurden!  Beweise, dass sie wirklich kriminell waren fand man bei den wenigsten der Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren. Eine Untersuchung, oder gar ein Verfahren gegen die Polizei gab es natürlich nie. Letztendlich war der Großteil der Bevölkerung glücklich und zu frieden, denn es waren ja alles Verbrecher!
Fast täglich werden irgendwo Diebe auf ähnliche Art und Weise eliminiert.

Sicher ist ein Kalkül der Polizei die Abschreckung, ein anderer ist, dass selbst die Polizisten wissen, dass das Justiz System extrem korrupt ist und die meisten Verbrecher schnell wieder frei sind.
Aber eine Rechtfertigung ist das nicht und vor allem ist es keine Lösung für das immer größer werdende Problem der Kriminalität.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch viele Fälle in denen vollkommen Unschuldige von der Polizei beschuldigt werden. So wurde einer verhaftet weil er angeblich eine Polizeiwaffe gestohlen hatte, dabei hatte der Polizist sie im Suff verloren! Da er dies natürlich nicht zugeben wollte musste er jemanden finden der die Schuld aufgedrückt bekam.

Es gibt unfassbar viele Fälle in alle Richtungen, was bei allen gleich ist, ist dass es keinen Grund gibt Vertrauen in die Polizei und das System zu haben. Das ist auch tief in den Menschen drin und das Misstrauen der Polizei gegenüber ist riesig. Noch größer aber ist die Überzeugung dem ganzen hilflos ausgeliefert zu sein. Der Gewalt durch die Polizei, aber auch genau so durch die Kriminellen. Deshalb wird leider auch genauso oft das Gesetz in die eigene Hand genommen und durch Selbstjustiz gelöst. 

In dem Fall jetzt scheint es wirklich mal einen Aufschrei in der Bevölkerung zu geben und die Polizei zu merken, einen Schritt zu weit gegangen zu sein. 

IJM hat eine online Kampagne gestartet, wer die Petition unterstützen möchte, der kann das hier tun:

http://ijm-deutschland.de/justiceinkenya/ 

Bildquelle: International Justice Mission (www.facebook.com/InternationalJusticeMission)